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Bürgerbus braucht 220 Kilometer Reichweite – E-Modelle schaffen nur 150

Der Bürgerbusverein Wildeshausen will auf ein Elektrofahrzeug umsteigen. In zwei bis drei Jahren muss er einen neuen Bus bestellen – doch die Hersteller müssen erst noch Lösungen entwickeln.

Wildeshausen – Ein Vergnügen war der Stopp an der Zapfsäule eigentlich noch nie: Seit dem Iran-Krieg setzen den Bürgerbusvereinen im Land die Spritpreise aber zunehmend zu. „Sie sind natürlich sehr unerfreulich und steigern unsere Ausgaben“, erzählt der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Wildeshausen, Jochen Hoppe, im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung. Der Vorstand unterstützt deshalb nicht nur die Forderung von „Pro BürgerBus Niedersachsen“ nach einem Defizitausgleich von 10 Cent pro gefahrenem Kilometer, rückwirkend vom 1. März, sondern treibt auch den Wunsch nach einem elektrischen Bus voran. Bislang hatte der Verein aufgrund geringer Reichweiten von einer Anschaffung abgesehen. Eine Gesetzesänderung macht nun Hoffnung, stellt die Ehrenamtlichen gleichzeitig aber auch vor Fragen.

Mit dem Thema E-Bus befasst sich der Vorstand schon länger. „Wir haben mit Herstellern gesprochen und sind bereits Probe gefahren“, sagt Hoppe. Da die Reichweite dieser Fahrzeuge bislang nur bei knapp 150 Kilometern liege, sei ein Kauf nie konkret in Betracht gezogen worden. „Wir benötigen mindestens 220 Kilometer pro Tag“, verdeutlicht Hoppe. Dies sei allerdings nur mit einer größeren und schwereren Batterie zu erreichen. Das Problem: das zulässige Gesamtgewicht. Die neue EU-Führerscheinrichtlinie, die bis 2029 umgesetzt sein muss, hebt dieses für die Klasse B (Autoführerschein, der zum Steuern eines Bürgerbusses reicht) zwar von 3,5 auf 4,25 Tonnen an. Vorgesehen war die Änderung zunächst aber nur für Wohnmobile. „Die Bürgerbusse sind vergessen worden“, so Hoppe. Doch mittlerweile hat die EU nachgezogen.

Gespräche mit der Stadt und der EWE geplant

Der Bürgerbusverein, der jährlich etwa 10.000 Fahrgäste in Wildeshausen zählt, blickt nun zuversichtlicher in Richtung Fahrzeugkauf. „In zwei bis drei Jahren müssen wir einen neuen Bus bestellen, dann hat der alte ausgedient“, sagt Hoppe. Er hofft, dass die Hersteller bis dahin Lösungen entwickelt haben. Als große Herausforderung sieht der Vorsitzende die Positionierung der Batterie. „Sie muss im Bodenbereich erfolgen und braucht Platz. Gleichzeitig benötigen wir aufgrund der Barrierefreiheit ein Niederflurfahrzeug, also eines mit abgesenktem Boden“, erläutert er. Dies sei auch Voraussetzung für eine 75-prozentige Förderung durch die Landesnahverkehrsgesellschaft. Auf diese sowie weitere Mittel wird der Verein trotz Rücklagen angewiesen sein. „Denn die E-Busse mit kleiner Batterie liegen bereits bei etwa 160.000 Euro“, weiß Hoppe. Das Wunschfahrzeug dürfte also teurer werden. „Und eine passende Energieversorgung brauchen wir ja auch noch“, sagt der Vorsitzende mit Blick auf Wallbox und Stromtarif. Der Verein wolle deshalb das Gespräch mit der Stadt und der EWE suchen.

Die hohen Spritpreise kommen angesichts der geplanten Investition natürlich mehr als ungelegen. „Die Forderungen vom niedersächsischen Dachverband können wir deshalb nur unterstützen“, betont Hoppe. Laut „Pro BürgerBus“ ist die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Energiesteuer im Mai und Juni nicht bei den Vereinen angekommen. Vielmehr bedeute sie für den öffentlichen Personennahverkehr eine Benachteiligung, „weil die zugebilligte generelle Energiesteuerentlastung von 54 Euro pro 1.000 Liter verbrauchtem Sprit für die Monate ausgesetzt wird“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands, der nun einen Defizitausgleich fordert.

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